Jesus von Nazareth

Auf unserer Reise sind wir an vielen Orten sowohl den Spuren von Jesus als auch seinen Nachfolgern begegnet. Jesus hat unsere westlich-europäische Kultur grundlegend geprägt. Seine Taten und Worte sind die am besten überlieferten Texte des Altertums. Er lebte in Israel und wuchs in den Bergen von Galiläa auf. Als Wanderprediger wirkte er von ca. 30 bis 33 n. Chr. in der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich wurde er am 3. April 33 n. Chr. unter Pontius Pilatus am Kreuz hingerichtet. Nach seinem Tod ist er am dritten Tag wieder auferstanden und über 500 Personen erschienen (1. Korinther 15,5–8). Seine Gegner konnten diese Auferstehung nicht widerlegen, denn der Leichnam Jesu blieb verschwunden.

Was sagen die Menschen, wer Jesus sei?
Das jüdische Volk hielt Jesus damals für den auferstandenen Johannes den Täufer, Elia, Jeremia oder einen der alttestamentlichen Propheten (Matthäus 16,14). Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius bezeichnete Jesus in seinen Schriften im 1. Jahrhundert als Wundertäter und Lehrer, der eine beachtliche Gefolgschaft anzog, durch Kreuzigung unter Pontius Pilatus hingerichtet wurde und den Anhängern nach seinem Tod wieder erschien.  In den römischen Geschichtsbüchern findet sich eine Notiz über die Hinrichtung von Jesus auf Befehl des Statthalters Pontius Pilatus unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius.  Viele bezeichnen Jesus heute als guten Menschen, Religionsstifter, Heiligen, Lehrer, Propheten oder eine große Persönlichkeit.

Wie sieht sich Jesus selbst?
Nachdem Petrus Jesus als Retter und Sohn des lebendigen Gottes bezeichnet hatte, erwiderte Jesus: „Glücklich bist du, Petrus. Das hat dir mein Vater im Himmel offenbart“ (Matthäus 16,16–17). Jesus selbst verstand sich als Gesandter Gottes. Er sagte: „Wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“ (Matthäus 10,40). Gott wurde in Jesus sichtbar: „Wer mich sieht, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14,9). Jesus vergibt bis heute Sünden, was nur Gott zusteht (Markus 2,5). Als Gottes Sohn wird er wieder auf die Erde zurückkommen (Markus 14,62). Er und der himmlische Vater sind eins (Johannes 10,30.33). Jesus tut immer, was Gott gefällt (Johannes 8,29).

Was bedeutet der Name Jesus Christus?
Der Name „Jesus“ ist die lateinische Form des hebräischen „Jeschua“ und bedeutet „Erlöser“. „Christus“ kommt von „Christos“, der griechischen Übersetzung des hebräischen Ausdrucks „Messias“, und bedeutet „der Gesalbte“. In Israel wurden Könige, Priester und Propheten gesalbt.

Die jüdischen Voraussagen über den Messias erfüllten sich in Jesus
In den jüdischen Schriften ist ein besonderer Messias  verheißen. Jesus erfüllte einige dieser Verheißungen bei seinem ersten Kommen: Nach 1. Mose 3,15 wird ein Mensch die Macht des Bösen besiegen und dabei verletzt werden (vgl. Johannes 1,45.51). Eine Jungfrau wird das Kind gebären (Jesaja 7,14 / Matthäus 1,18). Der Geburtsort wird Bethlehem sein (Micha 5,1 / Lukas 2,4–7). Er wird ohne Sünde sein (Jesaja 53,9b / 1. Petrus 2,21–24). Für ihn wird Geld angeboten werden (Sacharja 11,12–13 / Matthäus 26,15). Sein Gewand wird verlost werden (Psalm 22,19 / Johannes 19,23–24). Seine Hände und Füße werden durchbohrt werden (Psalm 22,17 / Johannes 20,25.27). Ihm wird kein Knochen zerbrochen werden (Psalm 34,21 / Johannes 19,33–36). Er wird im Grab eines Reichen beigesetzt werden (Jesaja 53,9 / Matthäus 27,57–60). Vor allem die Texte aus Psalm 22,7–32 und Jesaja 53,1–12 enthalten zahlreiche Aussagen, die sich in Jesus erfüllt haben. Der Jesaja-Text stammt nachweislich aus der Zeit vor der Geburt von Jesus. Bemerkenswert ist, dass eine vollständige Jesajarolle, die im 2. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wurde, in Qumran am Toten Meer gefunden wurde. Der Psalm 22, in dem die Kreuzigung sehr anschaulich beschrieben ist, wurde ca. 1000 Jahre v. Chr. von David verfasst, obwohl die Kreuzigung erst 500 Jahre v. Chr. von den Persern erfunden wurde. Die noch nicht erfüllten Prophezeiungen über Jesus werden bei seinem zweiten Kommen, von dem er selbst sprach, erfüllt werden (Lukas 9,26; 21,27).

Das Leben von Jesus
Jesus Christus wurde vermutlich im Frühjahr des Jahres 7 v. Chr. geboren.  Sein Geburtsort war Bethlehem, südlich von Jerusalem. Nach seiner Geburt mussten die Eltern mit ihm nach Ägypten flüchten, da Herodes der Große Jesus umbringen wollte (Matthäus 2,13–14). Als Herodes 4. v. Chr. starb, kehrten die Eltern mit Jesus ins Land zurück und ließen sich in Nazareth in Galiläa nieder (Matthäus 2,19–20). Als 12-Jähriger besuchte Jesus, nachdem er religiös mündig geworden war, mit seinen Eltern den jüdischen Tempel in Jerusalem (Lukas 2,42–52). Bis zu seinem öffentlichen Auftreten lebte er unauffällig in Nazareth.

Sein öffentliches Wirken begann mit seiner Taufe durch Johannes. Am Jordan, in der Gegend von Jericho, bekannte sich eine Stimme aus dem Himmel zu ihm: „Das ist mein geliebter Sohn“ (Matthäus 3,17). Anschließend ging Jesus in die judäische Wüste, wo er vom Teufel herausgefordert wurde (Matthäus 4,1–11). Danach berief er fünf seiner Jünger und nahm mit ihnen am Hochzeitsfest in Kanaa teil. Dort geschah das erste Wunder, als Jesus Wasser in Wein verwandelte (Johannes 2,1–11). Jesus wohnte dann in Kapernaum, eventuell bei der Familie des Petrus. Zum Pessach-Fest ging Jesus wie alle anderen Juden nach Jerusalem, wo er Nikodemus traf. Danach zog er als Wanderprediger in Judäa umher (Johannes 3,22). Über Samaria (Johannes 4) zog er weiter nach Kanaa und heilte den Sohn eines königlichen Beamten (Johannes 4,43–54). Danach kam er nach Nazareth (Lukas 4), wo er als Messias abgelehnt und aus der Stadt gejagt wurde. Er wirkte darauf in Kapernaum (Lukas 4,31) und zog von dort in Galiläa umher (Markus 1,39). In Kapernaum heilte er einen Gelähmten (Lukas 5,18–25).

Wieder ging Jesus öffentlich nach Jerusalem zum Pessach-Fest (Johannes 5,1). Dort heilte er den Gelähmten am Teich Bethesda (Johannes 5,2–9) und kehrte danach wieder nach Kapernaum an den See Genezareth zurück. In jener Gegend hielt er seine Grundsatzrede, auch Bergpredigt genannt, und berief zwölf seiner Schüler in den engeren Kreis (Markus 3,13–19). Zurück in Kapernaum heilte Jesus den Knecht eines Hauptmannes (Matthäus 8,5–13). Jesus zog wieder durch Galiläa. In Nain erweckte er einen toten Mann zum Leben (Lukas 7,11–15). Von Kapernaum segelte er über den See Genezareth in die Gegend von Gerasa. Unterwegs stillte er einen Sturm (Lukas 8,22–25) und heilte am andern Ufer einen Besessenen (Lukas 8,26–39). Als Jesus wieder in Kapernaum war, erweckte er die verstorbene Tochter des Synagogenvorstehers Jairus zum Leben (Matthäus 9). Jesus predigte in Galiläa. Als er bei Tabgha war, gab er 5000 Menschen zu essen (Markus 6,32). Nach diesem Ereignis schickte Jesus seine Jünger mit dem Schiff zurück. Er selber ging auf dem Wasser (Matthäus 14).

Jesus reiste auch nach Phönizien, möglicherweise um dem Rummel um seine Person zu entgehen. Dort heilte er die Tochter einer phönizischen Frau (Markus 7,24–30). Anschließend ging er in das Zehn-Städte-Gebiet (Dekapolis) und heilte einen Taubstummen. Bei Betsaida gab er 4000 Personen zu essen (Markus 7 und 8). Später zog er über Betsaida nach Cäsarea Philippi (Matthäus 16,13) und von dort zum sogenannten Berg der Verklärung (Lukas 9,28–36). Auf dem Rückweg heilte er einen besessenen Knaben (Markus 9,17–27). Von Kapernaum reiste er durch Samaria Richtung Jerusalem und heilte zehn Aussätzige (Lukas 17,11–19).

Als Jesus in Jerusalem ankam, heilte er am Chanukkafest einen Blindgeborenen (Johannes 9,1–41). Er ging nach Betanien jenseits des Jordan (Johannes 10,40) und von dort nach Betanien auf dem Ölberg und erweckte den toten Lazarus zum Leben (Johannes 11,1–46). Dann zog er wieder durch Judäa (Johannes 11,54) und Peräa (Markus 10,1), heilte die verkrüppelte Frau am Schabbat  (Lukas 13,10–17) und segnete die Kinder (Lukas 18,15–17).

Auf dem Rückweg nach Jerusalem (Matthäus 20,17) heilte er den blinden Bartimäus (Markus 10,46–52) und wurde in Betanien gesalbt (Johannes 12,1–8). Seine letzten Tage verbrachte er in Jerusalem. Als für das Pessach-Fest die Lämmer geschlachtet wurden, starb Jesus außerhalb von Jerusalem als Lamm Gottes (Johannes 1,36) am Kreuz. Er wurde in ein neu ausgehauenes Grab gelegt. Am dritten Tag fand man das Grab leer, da er auferstanden war (Johannes 20). Der auferstandene Jesus zeigte sich über 500 Menschen (1. Korinther 15,5–8).

Vierzig Tage nach Ostern fuhr er im Beisein seiner engsten Mitarbeiter auf dem Ölberg sichtbar in den Himmel auf (Apostelgeschichte 1). Er versprach, im himmlischen Jerusalem Wohnungen vorzubereiten (Johannes 14,2) für alle Menschen, die sich ihm anvertrauen (Johannes 1,12). Engel verkündeten, Jesus werde auf dem Ölberg wieder auf die Erde zurückkehren (Apostelgeschichte 1,11).

Wer ist nun Jesus?
Der englische Philosoph C. S. Lewis schrieb im Buch „Pardon ich bin Christ“ Kapitel II.3+4: „Ein Mann, der als normaler Sterblicher so geredet hätte wie Jesus, wäre keineswegs ein bewunderter religiöser Lehrmeister gewesen. Er wäre entweder ein Schlafwandler, ein Verrückter, oder er wäre der leibhaftige Teufel. Wir müssen uns entscheiden. Entweder war und ist dieser Mann der Sohn Gottes oder ein Verrückter oder etwas noch Schlimmeres … Aber lassen wir doch bitte nicht diesen herablassenden Unsinn gelten, dass er ein gewöhnlicher Sterblicher in der Rolle eines großartigen Lehrers gewesen sei. Diese Möglichkeit hat er uns nicht gelassen. Er hatte sie niemals beabsichtigt. Nun scheint es mir aber offensichtlich, dass er weder ein Verrückter noch ein Betrüger war; folgerichtig muss ich akzeptieren, wie seltsam, erschreckend oder unvorstellbar mir es auch vorkommt, dass er Gott war und ist. Gott ist in menschlicher Gestalt auf dieser, vom Feind beherrschten Welt gelandet.“

Jesus hat hier auf der Erde der Versuchung widerstanden, die Gemeinschaft mit Gott zu verlassen. Er wurde ungerechtfertigt gekreuzigt, obwohl er keine Sünde oder Schuld begangen hatte. Nach den biblischen Aussagen hätte Jesus nicht sterben müssen, da der Tod die Folge der Sünde ist (Römer 6,23). Er gab sein Leben freiwillig hin und hat nun die Macht, das Todesurteil, das über dem Menschen steht, auf sich zu übertragen (Römer 8,3–4). In Johannes 1,12 steht: „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“

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