Alle Beiträge von bj

Gotthardpass

Der Gotthardpass war bereits den Römern bekannt, wurde von ihnen jedoch kaum genutzt, da die Schöllenenschlucht auf der Nordseite ein schwer überwindbares Hindernis darstellte. Die stärker frequentierten Römerstraßen führten über den Septimer-, den Reschen- und den Brennerpass.

Erst mit der Begehbarmachung der Schöllenenschlucht am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der Gotthardpass zu einem häufig genutzten Reiseweg. Die erste hölzerne Brücke, die Teufelsbrücke, wurde um 1230 über die Reuss gebaut. Bald entstand auf der Passhöhe ein Hospiz für die zahlreichen Rompilger und andere Reisende.

100831 (1) Teufelsbrücke

Die Gotthard-Passhöhe, der höchste Punkt unserer Reise, liegt auf 2106 Metern ü. M. In Albanien werden wir später 1000, in Mazedonien 1200, in der Türkei 1570 und in Israel 1200 Meter ü. M. erklimmen.

100831 (10) Alte Gotthardstrasse

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

9. Jerusalem auf dem Gotthard

„Dort schwimmt eine Kuh im See!“ Noch nie hat Hanspeter so etwas gesehen. Auch Annemarie hat nur ein einziges Mal erlebt, dass ihre Eltern eine Kuh aus einem Weiher herausholen mussten. Kein leichtes Unterfangen. Das Tier, das wir gerade beobachten, scheint eine Abkürzung nehmen zu wollen. Am Seeufer steigt es beinahe mühelos aus dem Wasser, blickt zurück zu seinen Artgenossen und meldet sich bei ihnen mit einem lauten „Muuh“. Und das in einem Bergsee auf beinahe 2000 Metern über dem Meeresspiegel. „Brrrh.“

Hurra, wir stehen auf dem Gotthard! Mit 2106 Metern Meereshöhe haben wir soeben den höchsten Punkt unserer Reise erreicht. Erst jetzt haben wir das Gefühl, uns so langsam von der Heimat zu verabschieden. Loslassen ist angesagt, um Neues empfangen zu können.

„Entschuldigung, heißen Sie wirklich Jerusalem?“ Unglaublich! Auf dem höchsten Punkt unserer Reise begegnen wir einem Mann, der den Namen unseres Reiseziels trägt.

100831 (13) Auf der Passhöhe

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

Bauen – Geburtsort des Komponisten der Schweizer Landeshymne

Geburtshaus von Dichter der Schweizer Nationalhymne in Bauen

Der Schweizerpsalm „Trittst im Morgenrot daher“ ist die Nationalhymne der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Lied wurde 1841 von Alberich Zwyssig, einem Zisterziensermönch des Klosters Wettingen, zu einem Text von Leonhard Widmer komponiert.

Bereits ab 1843 erfreute sich die Melodie großer Beliebtheit und wurde häufig bei patriotischen Feiern gesungen. Neben dem Schweizerpsalm existierte aber auch das gleichermaßen populäre Lied „Rufst du, mein Vaterland“, welches zur Melodie von „God Save the Queen“ gesungen wurde. Als mit der Zunahme von internationalen diplomatischen Begegnungen im 20. Jahrhundert mehrfach die Schweizer und die Britische Hymne nacheinander gespielt wurden, führte dies zu Missverständnissen.

Im Jahr 1961 beschloss der Bundesrat, dass der Schweizerpsalm als eine unverwechselbare und rein schweizerische Schöpfung als provisorische Nationalhymne zu gelten habe. Nach einer dreijährigen Probezeit sprachen sich sechs Kantone gegen und zwölf für die neue Hymne aus, während sieben für eine verlängerte Probezeit plädierten. 1965 erfolgte die vorläufige Anerkennung des Schweizerpsalms als Schweizer Nationalhymne. 140 Jahre nach der Entstehung erklärte der Bundesrat am 1. April 1981 den Schweizerpsalm zur offiziellen Nationalhymne der Schweiz.

Der Schweizerpsalm existiert in den vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

1. Strophe
Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

2. Strophe
Kommst im Abendglühn daher,
Find’ ich dich im Sternenheer,
Dich, du Menschenfreundlicher, Liebender!
In des Himmels lichten Räumen
Kann ich froh und selig träumen!
Denn die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

3. Strophe
Ziehst im Nebelflor daher,
Such’ ich dich im Wolkenmeer,
Dich, du Unergründlicher, Ewiger!
Aus dem grauen Luftgebilde
Tritt die Sonne klar und milde,
Und die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

4. Strophe
Fährst im wilden Sturm daher,
Bist du selbst uns Hort und Wehr,
Du, allmächtig Waltender, Rettender!
In Gewitternacht und Grauen
Lasst uns kindlich ihm vertrauen!
Ja, die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

 

8. Schweizer Nationalhymne

„Schön, dass ihr euch gemeinsam auf diese Reise gemacht habt. So könnt ihr am Ende eures Lebens einmal dankbar sein. Wenn man dankbar ist, kann man auch Schmerz und Krankheit viel besser annehmen. Manchmal wirft das Leben eben Fragen auf. Warum bin ich krank? Warum habe ich Rückenschmerzen? Mit einer dankbaren Haltung kann man so manche Widrigkeit besser ertragen.“

Auch am folgenden Tag diskutieren wir über Gott, das Sterben, die Natur und zwischenmenschliche Beziehungen. Neue Gedankenanstöße erhalten wir in Bauen. Vor dem Geburtshaus von Alberich Zwyssig stehen die Worte: „Trittst im Morgenrot daher“.

100827 (6) Geburtshaus vom Dichter der Nationalhymne der Schweiz

Noch ahnen wir nicht, dass uns am Ende unserer Reise die Landeshymne auf eine ganz besondere Art und Weise begegnen wird.

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

7. So unterschiedlich wie Mose und Aaron

„Das muss ich filmen! Ein Platzkonzert in Hergiswil! Komm, wir machen eine kurze Pause.“ Annemarie holt begeistert die Videokamera hervor und genießt die musikalische Einlage. Hanspeter studiert während dieser Zeit die Karte und überlegt, wie weit wir heute wohl noch kommen werden.

Wir sind sehr verschieden. Im Denken, Reden und Handeln. Kann das gut gehen, wenn man als Ehepaar so viele Monate, täglich 24 Stunden,  gemeinsam unterwegs ist? Das war eine der Fragen, die wir uns stellten, bevor wir uns für die Reise entschieden.

Es folgten viele Diskussionen mit Freunden und Bekannten. Manchen fehlte für ein derartiges Vorhaben jedes Verständnis: „Das könnt ihr doch nicht machen“, „Das ist unmöglich“, „Wovon wollt ihr denn leben?“, „Ihr könnt doch nicht alle Sicherheiten aufgeben“ und so fort. Wie wohltuend war es, wenn zwischendurch jemand sagte: „Super!“, „Eine geniale Idee“, „So etwas möchten wir unterstützen“. Sogar unsere …

Nur weil wir neidlos und ergänzend zusammenarbeiten, können andere „mitreisen“ und sich mitfreuen. Unterwegs lesen wir in der Bibel die Geschichte von Mose und Aaron und sehen bei ihnen das gleiche Prinzip. Das Volk Israel konnte nur aus der Sklaverei befreit werden, weil diese zwei Männer auf Gott vertraut und einander ergänzt und geholfen haben.

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

6. Überraschung in Luzern

„Dieses Timingist ja unglaublich! Gott weiß, dass ich Musik liebe“, jubelt Annemarie. Genau zum Straßenmusikfestival sind wir in Luzern eingetroffen.

„Der Fotoapparat ist weg!“ Hanspeter öffnet tags darauf nach dem Frühstück die Zimmertür und bemerkt sofort, dass unsere Kamera fehlt.

Gleich nach Luzern bestaunen wir einen wunderbaren Sandstrand am Vierwaldstättersee. „Oh, hier ist es schön! Ein paar Urlaubstage würden uns nicht schaden!

100825 (4) Luzern
 Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

5. Feuchtes Zelt

Beim Überqueren des Höhenzugs macht es sich jetzt bezahlt, dass unsere Rucksäcke nur noch 15 und 18 Kilogramm wiegen. Von nun an werden wir die technischen Geräte, den Kocher und andere Gegenstände jeden Tag umpacken. Je nach Aufteilung des Gewichts wird einmal Annemarie noch fit sein am Abend, ein anderes Mal Hanspeter. „Wenn wir am Abend …“

„Kurz vor Langenthal haben wir einigen Männern beim Hornussen zugeschaut. Martin hat uns erklärt, worauf man bei diesem Mannschaftsspiel achten muss. Wir haben sogar eine Videoaufnahme davon gemacht!“

Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

4. Der zweite Tag

Wo sind wir eigentlich? Wo ist der Lichtschalter? Wo die Toilette? Wie kalt ist es draußen? Wo finden wir die nächste Einkaufsmöglichkeit? Diese Fragen gehören fortan zu unserem täglichen Leben.

Wie gut, dass wir bei diesem kalten Wetter mit der jungen Familie in einem warmen Wohnzimmer frühstücken dürfen. Monika und Christoph haben uns nämlich nicht die Garage, sondern ihr Gästezimmer zur Verfügung gestellt.

100817 (1)

 Auszug aus dem Buch: “Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem”

Israel entstand in Basel

Zwischen Basel, unserem Startpunkt, und Israel, unserem Zielland, besteht eine geschichtliche Verbindung.

In Basel fand vom 29. bis 31. August 1897 unter der aktiven Mithilfe von Christen der erste Zionistenkongress statt. Diese Christen erwarteten aufgrund biblischer Prophetie, dass das jüdische Volk in das Land ihres Ursprungs zurückkehren werde.

Unter der Leitung von Theodor Herzl etablierte sich ein Zionismus, der auf dem Kongress so formuliert wurde: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.“ Herzl verfolgte das Ziel, den jüdischen Staat nicht durch ungesicherte Besiedlung, sondern durch diplomatische Verträge mit den europäischen Großmächten zu erreichen.

Nach Abschluss des ersten Kongresses schrieb Herzl am 3. September 1897 in sein Tagebuch: „Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.“ 50 Jahre später, am 14. Mai 1948, wurde Israel als Staat ausgerufen.

100816 (17)

3. Start am Dreiländereck

Völlig übermüdet, Hanspeter mit 21 Kilogramm und Annemarie mit 18 Kilogramm auf dem Rücken, stehen wir am Montag, 16. August 2010, am Dreiländereck in Basel.

100816 (1) 100816 (15)

Nach mehreren Verabschiedungen stehen wir vor unserem Mietshaus. Ein seltsames Gefühl: Es ist dunkel, wir haben immer noch keine Ahnung, wo wir heute schlafen werden und den Schlüssel zu diesem Haus haben wir vor zwei Tagen abgegeben. Wo sollen wir nun hin?

100816a (3)

Auszug aus dem Buch: „Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem“  zur Leseprobe